2. Wirtschaftsbericht
2.1 Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen
Entwicklung der Gesamtwirtschaft
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat im Rahmen seines letzten Konjunkturausblicks (World Economic Outlook, Update Januar 2026) nach vorläufigen Berechnungen für 2025 ein Plus von 3,3 % für die Weltwirtschaft ausgewiesen. Das Wachstum lag damit genau auf Vorjahresniveau (3,3 %).
In den nordamerikanischen Zielländern der United Internet Gruppe erwartet der Fonds in 2025 ein sichtbares, wenngleich schwächeres Wachstum als im Vorjahr. So errechnete der IWF für die USA ein Plus von 2,1 % (Vorjahr: 2,8 %), für Kanada ein Plus von 1,6 % (Vorjahr: 2,0 %) und für Mexiko ein Plus von 0,6 % (Vorjahr: 1,4 %).
Ein Blick auf die wichtigsten Zielländer von United Internet in Europa zeigt folgendes Bild: Für Frankreich erwartet der IWF für 2025 ein Wachstum um 0,8 % (Vorjahr: 1,1 %), für Spanien um 2,9 % (Vorjahr: 3,5 %), für Italien um 0,5 % (Vorjahr: 0,7 %) und für Polen um 3,3 % (Vorjahr: 3,0 %). Für Großbritannien wird ein Wachstum um 1,4 % (Vorjahr: 1,1 %) prognostiziert.
Für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland , dem aus Sicht von United Internet mit Abstand wichtigsten Markt (Umsatzanteil 2025: rund 90 %), erwartet der Fonds erstmals wieder einen Anstieg der Wirtschaftsleistung in 2025 um 0,2 % (Vorjahr: -0,5 %).
Mehrperiodenübersicht: Entwicklung des BIP in wesentlichen Zielländern und -regionen von United Internet
Welt
6,2 %
3,5 %
3,3 %
+/- 0,0 Prozentpunkte
USA
5,9 %
1,9 %
2,9 %
2,8 %
2,1 %
–0,7 Prozentpunkte
Kanada
5,0 %
3,8 %
1,5 %
2,0 %
1,6 %
–0,4 Prozentpunkte
Mexiko
4,7 %
3,9 %
1,4 %
0,6 %
–0,8 Prozentpunkte
Frankreich
6,8 %
2,5 %
1,1 %
0,8 %
–0,3 Prozentpunkte
Spanien
5,5 %
5,8 %
2,7 %
–0,6 Prozentpunkte
Italien
6,7 %
3,7 %
0,7 %
0,5 %
–0,2 Prozentpunkte
Polen
6,9 %
5,3 %
0,1 %
3,0 %
+ 0,3 Prozentpunkte
Großbritannien
7,6 %
4,3 %
0,3 %
Deutschland
2,6 %
1,8 %
–0,3 %
–0,5 %
0,2 %
+ 0,7 Prozentpunkte
2021
2022
2023
2024
2025
Veränderung zum Vorjahr
Quelle: Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook (Update), Januar 2026
Die Berechnungen des IWF für Deutschland decken sich mit den vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis), das ebenfalls für 2025 im Rahmen der Pressekonferenz „Bruttoinlandsprodukt 2025“ am 15. Januar 2026 erstmals wieder seit 2022 (+1,8 %) einen leichten Anstieg des (preisbereinigten) Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 % (Vorjahr: -0,5 %) festgestellt hat .
Das leichte Wachstum ist nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes vor allem auf die gestiegenen Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates zurückzuführen. Demgegenüber gaben die Exporte erneut nach, da sich die Exportwirtschaft einem „heftigen Gegenwind“ durch die höheren US-Zölle, die Euro-Aufwertung und die stärkere Konkurrenz aus China gegenübersah. Zudem hielt die Investitionsschwäche weiter an. Sowohl in Ausrüstungen als auch Bauten wurde weniger investiert als im Vorjahr.
Mehrperiodenübersicht: Entwicklung des preisbereinigten BIP in Deutschland
BIP
–0,9 %
Quelle: Destatis, Januar 2026
Während viele Branchen mit schwacher Nachfrage ringen, zeigt sich die Digitalwirtschaft robust. Trotz des aktuell schwierigen konjunkturellen Umfelds erwartet der Digitalverband Bitkom im deutschen Markt für IT und Telekommunikation (ITK) für 2025 ein Umsatzplus von 3,9 % (Vorjahr: 4,8 %) auf 234,8 Mrd. €.
Der Anstieg des Gesamtmarktes ITK resultiert insbesondere aus den gestiegenen Umsätzen in der Informationstechnik (IT). In diesem größten Teilmarkt stiegen die Umsätze laut BITKOM-Prognose 2025 um 5,3 % (Vorjahr: 6,4 %) auf 160,6 Mrd. €. Dabei entwickelten sich alle Segmente des Teilmarktes positiv: So legten die Bereiche Software (dazu gehören u. a. KI-Plattformen, Kollaborationstools und Cloud Services) um 9,4 % (Vorjahr: 13,9 %), IT-Hardware um 3,8 % (Vorjahr: 3,2 %) und IT-Services um 2,9 % (Vorjahr: 3,5 %) zu.
Die aus Sicht des Geschäftsmodells von United Internet wichtigsten ITK-Märkte sind insbesondere der deutsche Telekommunikationsmarkt im überwiegend abonnementfinanzierten Geschäftsbereich „Access“ sowie der weltweite Webhosting- und Cloud-Markt und der deutsche Online-Werbemarkt im abonnement- und werbefinanzierten Geschäftsbereich „Applications“.
Telekommunikationsmarkt in Deutschland
Für den ITK-Teilmarkt Telekommunikation erwartet der Branchenverband Bitkom in 2025 einen Anstieg um 1,2 % (Vorjahr: 1,4 %) auf 74,2 Mrd. €. Dabei entwickeln sich im deutschen Telekommunikationsmarkt die einzelnen Segmente recht unterschiedlich: So legte das Infrastrukturgeschäft um 6,6 % (Vorjahr: -6,3 %) und Telekommunikationsdienste um 1,4 % (Vorjahr: 1,7 %) zu, während das Geschäft mit Endgeräten um -2,6 % (Vorjahr: 5,8 %) zurückging.
Markt-Kennzahlen: Telekommunikationsmarkt in Deutschland
Telekommunikations-Umsätze
74,2
73,3
+ 1,2 %
in Mrd. €
Veränderung
Quelle: Bitkom, Januar 2026
Bei den für United Internet wichtigen Service-Umsätzen erwartet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) laut der Studie „German Entertainment and Media Outlook 2025 - 2029“ (Juni 2025) für 2025 einen Anstieg um 4,1 % auf 34,2 Mrd. €. Dabei sollen die Service-Umsätze im Mobilfunkgeschäft um 5,8 % auf 19,4 Mrd. € und die Service-Umsätze im Breitbandgeschäft um 2,0 % auf 14,8 Mrd. € zulegen.
Die Anzahl der Mobilfunkverträge soll laut PwC in 2025 um 3,7 % auf 191,9 Mio. zulegen. Das Wachstum resultiert aus einem Plus von 47,9 % bei 5G Verträgen auf 75,5 Mio., während Verträge für geringere Datenraten deutlich zurückgingen.
Die Anzahl der Breitbandanschlüsse im Festnetz stieg gemäß PwC-Erwartung in 2025 um 1,2 % auf 39,3 Mio. Dabei soll die Anzahl an DSL-Anschlüssen (-7,3 % auf rund 21,5 Mio.) und Kabel-Anschlüssen (-1,4 % auf rund 8,3 Mio.) jeweils zurückgehen, während Glasfaser-Anschlüsse um 35,5 % auf rund 8,2 Mio. zulegen sollen.
Die weltweiten Umsätze mit Webhosting Services sollen laut des Marktreports „Web Hosting Services Market Size, Share & Industry Analysis“ von Fortune Business Insights im Geschäftsjahr 2025 um 18,1 % auf rund 149,3 Mrd. USD zulegen. Der Report beinhaltet insbesondere Umsätze in den Bereichen Shared Hosting, Dedicated Hosting, Colocated Hosting, Virtual Private Server Hosting, Managed Hosting und Self-Managed Hosting.
Geographisch dominiert Nordamerika mit einem Anteil von 41 % den globalen Markt, gefolgt von Europa. Schnellst wachsender Markt ist hingegen Asia / Pacific.
Markt-Kennzahlen: Webhosting Services weltweit
Umsatz Webhosting Services weltweit
149,30
126,41
+ 18,1 %
in Mrd. USD
Quelle: Fortune Business Insights; Web Hosting Services Market Size, Share & Industry Analysis, Update Dezember 2025
Der Markt für Cloud Services hat sich auch in 2025 dynamisch weiterentwickelt. Precedence Research erwartet laut des Marktreports „ Cloud Computing Market Size “ ein weltweites Wachstum für Cloud Services um 21,2 % auf rund 912,8 Mrd. USD in 2025. Der Anteil der reinen Private Cloud Services für z. B. Firmen und Behörden soll unverändert ca. 47 % ausmachen, der Anteil der Public Cloud Services, die für eine Vielzahl von Kunden gleichzeitig bereitgestellt werden, und mit hybrider Nutzung ca. 53 %.
Geographisch dominiert auch bei Cloud Services Nordamerika mit einem Anteil von 39 % den globalen Markt, gefolgt von Europa mit 25 %. Auch bei Cloud Services ist die Region Asia / Pacific der am schnellsten wachsende Markt mit einem Marktanteil von 21 %.
Nach Services entfällt der größte Teil der weltweiten Umsätze auf Software-as-a-Service (SaaS) mit rund 55 %.
Markt-Kennzahlen: Cloud Services weltweit
Umsatz Cloud Services weltweit
912,77
753,11
+ 21,2 %
davon Private Cloud
429,00
353,96
davon Public Cloud (inkl. Hybrid)
483,77
399,15
Quelle: Precedence Research; Cloud Computing Market Size, Share, and Growth Forecast, Update Oktober 2025
Bei den im deutschen Online-Werbemarkt (Mobile Werbung und Desktop-Werbung) erzielten Gesamt-umsätzen (Paid-Search, Display, Video, Affiliate / Classifieds) erwartet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) laut der Studie „German Entertainment and Media Outlook 2025 - 2029“ (Juni 2025) - nach einem Wachstum von 14,7 % in 2024 – für 2025 ein Wachstum um 10,6 % auf insgesamt rund 21,5 Mrd. €.
Markt-Kennzahlen: Gesamtmarkt Online-Werbung in Deutschland – nach PwC
Online-Werbeumsätze
21,45
19,40
+ 10,6 %
Quelle: PricewaterhouseCoopers, German Entertainment and Media Outlook 2025 – 2029, Juni 2025
Nicht viel anders als PwC bewertet auch der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. die Lage im deutschen Online-Werbemarkt. Dabei berücksichtigt der OVK bei seinen Marktzahlen ausschließlich Nettoumsätze und fokussiert sich ausschließlich auf den für United Internet wichtigsten Teilmarkt, den Display- und Video-Werbemarkt (Mobile und Desktop), wobei die United Internet Marken GMX und WEB.DE ihre Umsätze heute noch überwiegend im Display-Werbemarkt und nur zu einem kleinen Teil im Video-Werbemarkt generieren.
Ausgehend von seiner aktualisierten Prognose im September 2025 erwartet der OVK – im Rahmen seines OVK-Report 2025/02 – für den Display- und Video-Werbemarkt einen Anstieg der Nettoumsätze in 2025 auf rund 7,5 Mrd. €. Dies bedeutet ein Plus von 8,5 % – nach einem Wachstum von 12,8 % im Vorjahr. Das im Vergleich zum Vorjahr geringere Marktwachstum führt der OVK insbesondere auf geopolitische und makroökonomische Unsicherheiten zurück, auf die die Werbetreibenden teilweise mit kurzfristigem und taktischem Buchungsverhalten reagierten.
Das vorgenannte Wachstum von 8,5 % resultiert primär aus dem Video-Werbemarkt, der um 16,6 % auf 3,65 Mrd. € zulegen soll. Im Display-Werbemarkt wird hingegen lediglich mit einem Plus von 1,6 % auf 3,81 Mrd. € gerechnet.
Markt-Kennzahlen: Display- und Video-Werbemarkt in Deutschland – nach OVK
Display- und Video-Werbeumsätze
7,46
6,88
+ 8,5 %
davon Video
3,65
3,13
+ 16,6 %
davon Display
3,81
3,75
+ 1,6 %
Quelle: Online-Vermarkterkreis (OVK), OVK-Report 2025/02, September 2025
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit von United Internet blieben im Geschäftsjahr 2025 im Vergleich zum Geschäftsjahr 2024 im Wesentlichen konstant und hatten keinen maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung im United Internet Konzern.
Entscheidung der Bundesnetzagentur zu Low- und Mid-Band-Frequenzen
Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat am 24. März 2025 ihre Entscheidung zur Bereitstellung der ab Januar 2026 zur Verfügung stehenden Low- und Mid-Band-Frequenzen bekanntgegeben. Diese basiert in den wesentlichen Punkten auf dem im Mai 2024 veröffentlichten Konsultationsentwurf und sieht eine Verlängerung bestehender Frequenznutzungsrechte für Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica vor. Die Verlängerung ist mit der Verpflichtung verbunden, dass Telefónica weiterhin 2*10 MHz seiner 2,6 GHz-Frequenzen sowie Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica, einen Teil des ihnen zur Verfügung stehenden Low-Band-Spektrums 1&1 zur gemeinsamen Nutzung bereitstellen müssen. Um dies zu erreichen, verpflichtete die Behörde die etablierten Netzbetreiber zu fairen Verhandlungen mit 1&1. Sollte 1&1 bis zum 1. Januar 2026 keine Nutzung von Low-Band-Frequenzen gewährt werden, behält die BNetzA sich vor, diese anzuordnen. Die Verhandlungen von 1&1 mit den übrigen Mobilfunknetzbetreibern zur kooperativen, gemeinsamen Nutzung gleichwertiger Funkfrequenzen unterhalb von 1 GHz sind bislang ergebnislos verlaufen. Die Bundesnetzagentur hat daraufhin am 17. Februar 2026 eine schriftliche Anhörung zu einer Anordnung einer kooperativen, gemeinsamen Nutzung von Low-Band-Spektrum in den Ausbaugebieten der 1&1 Mobilfunk GmbH gestartet. Die Anhörung der Mobilfunknetzbetreiber endet am 18. März 2026
Ausstieg von Warburg Pincus bei IONOS
Warburg Pincus hat am 27. März 2025 seine Anteile an der IONOS Group SE vollständig veräußert (Beteiligungsquote zum 31. Dezember 2024: 16,2 %). Durch den Ausstieg wurden unter anderem bedingte Kaufpreiszahlungen von Warburg Pincus an United Internet in Höhe von insgesamt 45,0 Mio. € und von IONOS an die Deutsche Telekom aus dem Erwerb der STRATO AG im Jahr 2017 in Höhe von 34,0 Mio. € fällig. Des Weiteren sind im Zusammenhang mit dem Ausstieg von Warburg Pincus weitere Anschaffungspreisanpassungen aus dem Rückerwerb des Jahres 2021 in Höhe von 9,9 Mio. € fällig geworden, die ergebnisneutral im Eigenkapital erfasst wurden.
Zukauf von 4,4 Mio. 1&1 Aktien
Die United Internet AG hat Anfang April 2025 insgesamt 4,4 Mio. Aktien der Konzerntochter 1&1 AG erworben. Der Kaufpreis belief sich auf rund 60,8 Mio. €. Durch den Zukauf erhöhte sich der von der United Internet AG gehaltene Anteil an der 1&1 AG von zuvor 78,32 % auf 80,81 % vom Grundkapital.
Vorläufige rechtliche Einschätzung des Bundeskartellamtes wegen der mangelnden Bereitstellung von Antennenstandorten für 1&1
Das Bundeskartellamt hat am 11. April 2025 seine vorläufige rechtliche Einschätzung wegen der mangelnden Bereitstellung von Antennenstandorten von Vodafone und Vantage Towers für 1&1 veröffentlicht. Das Bundeskartellamt wertet in dieser Einschätzung die verzögerte Bereitstellung der vertraglich vereinbarten Standorte als kartellrechtswidrige Behinderung von 1&1 bei seinem Markteintritt als vierter Netzbetreiber. Vantage Towers hatte Ende 2021 mit 1&1 eine vertragliche Vereinbarung über die Mitnutzung einer vierstelligen Zahl an Antennenstandorten geschlossen, die in mehreren Chargen bis insgesamt Ende 2025 realisiert werden sollte. Die Termine für die vereinbarten Bereitstellungsziele wurden dann nochmals vertraglich um ein Jahr nach hinten verschoben.
Die Bereitstellung der 1&1 zugesagten Standorte verzögert sich allerdings seit Vertragsschluss massiv. Vodafone und Vantage Towers hatten anschließend Gelegenheit, zur Einschätzung des Bundeskartellamts Stellung zu beziehen. Eine abschließende Entscheidung des Amtes steht derzeit noch aus.
Öffentliches Erwerbsangebot für 1&1 Aktien
Nach Ankündigung vom 16. Mai 2025 hat United Internet am 5. Juni 2025 die Angebotsunterlage für ihr freiwilliges öffentliches Erwerbsangebot in Form eines Teilangebots (Barangebot) an die Aktionäre der 1&1 AG zum Erwerb von bis zu 16.250.827 nicht bereits unmittelbar von der United Internet AG gehaltenen auf den Inhaber lautenden Stückaktien von 1&1 (dies entspricht ca. bis zu 9,19 % des Grundkapitals), jeweils mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital von 1,10 €, gegen Zahlung einer Gegenleistung von 18,50 € je 1&1 Aktie veröffentlicht. Das Angebot von 18,50 € je 1&1 Aktie entsprach einer Prämie von ca. 20 % gegenüber dem XETRA-Schlusskurs bzw. ca. 29 % gegenüber dem volumengewichteten 3-Monats-Durchschnittskurs (XETRA) zum 15. Mai 2025. Mit dem Angebot bot United Internet allen Aktionären der 1&1 AG, also auch denjenigen mit größeren Beständen, eine attraktive Gelegenheit, sich Liquidität mit einer erheblichen Prämie zu verschaffen.
United Internet verfolgte mit dem öffentliches Erwerbsangebot das Ziel, die zuvor bestehende Beteiligung von 80,81 % an 1&1 weiter auszubauen und die Stimmrechtsmehrheit zu festigen. Insbesondere mit Blick auf die in den nächsten Jahren anstehenden Investitionen in den Ausbau des 1&1 Mobilfunknetzes ist eine klare und stabile Aktionärsstruktur von besonderer Bedeutung. Zugleich sollte ein angemessener Freefloat (Streubesitz) erhalten bleiben.
Die Frist für die Annahme des Angebots endete am 3. Juli 2025, 24:00 Uhr (MEZ). Insgesamt wurden United Internet im Rahmen des freiwilligen öffentlichen Erwerbsangebotes 7.585.033 1&1 Aktien angeboten (dies entspricht ca. 4,29 % des Grundkapitals). Der daraus resultierende Erwerbspreis belief sich auf 140,3 Mio. € und wurde im Juli 2025 gezahlt. Damit stiegen die von United Internet gehaltenen Anteile von zuvor 80,81 % im Juli 2025 auf 85,10 % des Grundkapitals der 1&1 AG.
Zukauf von weiteren 2,4 Mio. 1&1 Aktien
Ende August 2025 hat United Internet weitere insgesamt 2,4 Mio. Aktien der 1&1 AG erworben. Der Kaufpreis belief sich auf rund 44,9 Mio. €. Durch den Zukauf erhöhte sich der von United Internet gehaltene Anteil an der 1&1 AG von zuvor 85,10 % auf 86,46 % vom Grundkapital.
United Internet verkauft 1&1 Versatel an die 1&1 AG
Im November 2025 haben sich United Internet und die 1&1 AG (United Internet Anteil: 86,46 %) über einen konzerninternen Verkauf der United Internet Management Holding SE (United Internet Anteil: 100 %), inklusive derer 100%-iger Tochter 1&1 Versatel GmbH (zusammen: 1&1 Versatel), an die 1&1 AG verständigt.
Der wirtschaftlich vereinbarte Kaufpreis beläuft sich auf ca. 1,3 Mrd. €. Zusätzlich zahlt die 1&1 AG im Zusammenhang mit der Transaktion einen Ausgleichsbetrag in Höhe von 246 Mio. €. Hintergrund ist, dass die Transaktion bei der United Internet Management Holding SE zu einer Wertminderung der Beteiligung an der 1&1 Versatel auf den niedrigeren beizulegenden Wert geführt hat. Der daraus resultierende Verlust war aufgrund des bestehenden Ergebnisabführungsvertrags (Verlustübernahme gemäß § 302 AktG) von der United Internet AG zu tragen und wurde im Januar 2026 durch Zahlung der United Internet AG an die United Internet Management Holding SE ausgeglichen. Der Ausgleichsbetrag wird außerhalb der Kaufpreiserfüllung zurückgeführt, formal wird er den Anschaffungskosten zugerechnet. Insgesamt belaufen sich die Anschaffungskosten bei 1&1 damit auf 1.546 Mio. €.
Die 1&1 AG übernahm 1&1 Versatel mit allen Vermögenswerten, insbesondere Netzinfrastruktur und Schulden, inkl. 950 Mio. € Darlehensverbindlichkeiten gegenüber United Internet. Dieses bei 1&1 Versatel verbleibende Darlehen wurde im Zuge des Verkaufes durch eine Garantie der 1&1 AG abgesichert.
Die Erfüllung der Kaufpreisforderung erfolgt durch Aufrechnung mit Gegenforderungen aus einem Cash ‑ Management ‑ Guthaben in Höhe von 650 Mio. € sowie durch die Gewährung eines Gesellschafterdarlehen von der United Internet AG an die 1&1 AG von ebenfalls 650 Mio. €. Ergänzend erfolgte die Rückführung des Ausgleichsbetrags für die erfolgte Verlustübernahme. In einer Gesamtbetrachtung der gegenseitigen Zahlungen gleichen sich diese aus, so dass United Internet aus der Transaktion keine liquiden Mittel zuflossen.
In Abhängigkeit von der künftigen Geschäftsentwicklung von 1&1 Versatel in den Jahren 2027, 2028 und 2029 kann sich der Kaufpreis um bis zu 300 Mio. € erhöhen oder reduzieren. Ein etwaiger Anpassungsbetrag würde im Jahr 2030 fällig werden.
Durch die konzerninterne Umstrukturierung und den Verkauf von 1&1 Versatel an 1&1 hat United Internet ihre Aktivitäten und Kompetenzen im Telekommunikationsgeschäft unter dem Dach der 1&1 AG gebündelt.
Der Anteilsverkauf erfolgte mit wirtschaftlicher Wirkung zum Ablauf des 30. November 2025.
1&1 erfüllt Vorgaben der Bundesnetzagentur
Die 1&1 AG hat nur zwei Jahre nach dem Start der mobilen Dienste im vierten deutschen Mobilfunknetz im Dezember 2025 eine Abdeckung von 27 Prozent der deutschen Haushalte erreicht. Damit erfüllt 1&1 das erste Flächenversorgungsziel von 25 Prozent, welches dem Unternehmen im Rahmen der 5G-Frequenzauktion von der Bundesnetzagentur vorgegeben wurde, fristgerecht vor dem 31. Dezember 2025.
Bereits im November 2025 hat 1&1 mit dem Abschluss der Migration aller auf Basis früherer Wholesale-Verträge versorgter Bestandskunden ins 1&1 Mobilfunknetz die Auflage der Bundesnetzagentur zur “wettbewerblichen Unabhängigkeit” frühzeitig erfüllt.
Darüber hinaus fanden im Geschäftsjahr 2025 keine wesentlichen Ereignisse statt, die einen maßgeblichen Einfluss auf den Geschäftsverlauf hatten.
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