INTERVIEW MIT RALPH DOMMERMUTH
Herr Dommermuth, wie blicken Sie auf das Geschäftsjahr 2025 zurück?
2025 war ein erfolgreiches Jahr, in dem wir den Wachstumspfad der United Internet Gruppe konsequent fortgesetzt haben. Wir haben wichtige Weichen gestellt, weiter entschlossen in unsere leistungsfähige Infrastruktur bei Glasfaser, Mobilfunk und Rechenzentren investiert und mit innovativen Produkten neue Maßstäbe für ein digital souveränes Deutschland und Europa gesetzt. So konnten wir auch 2025 weitere Kunden gewinnen und unseren Umsatz steigern. Auch unser operatives Ergebnis hat sich gut entwickelt.

Das 1&1 Mobilfunknetz ist eines der größten privat finanzierten Infrastrukturprojekte Deutschlands und gleichzeitig Europas erstes vollständig virtualisiertes 5G-Netz auf Basis der neuartigen Open-RAN-Technologie. Das vergangene Jahr war für den Ausbau und den Betrieb des 1&1 O-RAN ein wichtiges Jahr. Haben Sie all das erreicht, was Sie sich für 2025 vorgenommen hatten?
Ja, wir haben 2025 ein hohes Tempo vorgelegt und unsere Ziele erreicht. Der Knoten beim Ausbau von Antennenstandorten ist geplatzt: Im vergangenen Jahr haben wir im Schnitt je Quartal mehr als 300 Standorte in Betrieb genommen. Das ist auch im Vergleich zu unseren Wettbewerbern eine sehr gute Schlagzahl. Unsere Gigabit-Antennen werden ohne Kompromisse an Glasfaser angeschlossen und darüber mit über 300 regionalen Edge-Rechenzentren verbunden, die wir bereits für unser cloud-natives Netz errichtet haben. Hier profitieren wir unmittelbar von dem stetig wachsenden Glasfasernetz unserer Konzerntochter 1&1 Versatel, das mit mehr als 68.000 Kilometern zu den größten Glasfasernetzen Deutschlands zählt.
Nur zwei Jahre nach dem Start der mobilen Dienste erreichte das 1&1 O-RAN im Dezember bereits 27 Prozent der deutschen Haushalte. Damit haben wir die ursprüngliche Vorgabe der Bundesnetzagentur, die eine Abdeckung eines Viertels der Haushalte für Ende 2025 vorsah, übertroffen. Diesen Kurs werden wir halten und den Ausbau weiter kräftig vorantreiben. Mit dem fortschreitenden Ausbau unserer Antennenstandorte nehmen gleichzeitig die National-Roaming-Leistungen, die wir während der Zeit des Netzausbaus zur bundesweiten Versorgung unserer Kunden über Antennen von Vodafone beziehen, nach und nach ab. Wir freuen uns darauf, immer mehr Menschen mit unserem innovativen Netz zu erreichen.
Aber nicht nur beim Netzausbau ging es mit großen Schritten voran. Parallel dazu hat 1&1 im vergangenen Jahr die größte Kundenmigration der deutschen Mobilfunkgeschichte abgeschlossen und damit auch die Vorgabe der „wettbewerblichen Unabhängigkeit“ fristgerecht erfüllt. Dazu wurden täglich bis zu 50.000 Kunden, die früher auf Basis von Wholesale-Verträgen anderer Netze versorgt wurden, auf das 1&1 Netz umgezogen – zumeist besonders nutzerfreundlich als „over the air-Update“, das sich nachts automatisiert aufspielt. Seit November surfen und telefonieren alle 1&1 Mobilfunkkunden im 1&1 O-RAN.
Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica haben Jahrzehnte langen Vorsprung im Betrieb von Mobilfunknetzen. Kann das 1&1 O-RAN nur zwei Jahre nach Markteintritt bereits mit den etablierten Netzen mithalten? Wie hat sich die Mobilfunklandschaft seither verändert?
Fünfundzwanzig Jahre und mehr Netzausbau holt man nicht in zwei Jahren auf, das liegt auf der Hand. Unser Vorsprung liegt in der Technologie. Mit dem 1&1 O-RAN errichten wir das modernste Mobilfunknetz Europas basierend auf der innovativen Open-RAN-Technologie. Schnelle Innovationszyklen, Echtzeitfähigkeit sowie die flexible Auswahl vertrauenswürdiger Partner sind zeitgemäße Vorteile, die auch unsere Wettbewerber mittlerweile erkannt haben. Immer mehr Netzbetreiber zeigen sich inzwischen bemüht, ihre bestehende monolithische Infrastruktur auf Open RAN umzurüsten – allen voran Vodafone mit europaweiten Bestrebungen, auf den offenen Standard umzusteigen.
2025 wurde die Netzqualität im 1&1 Mobilfunknetz erstmals im Rahmen einer Einzelbetrachtung im renommierten Benchmark-Test von connect bewertet. Basierend auf weltweit identischen Messverfahren sowie unter Berücksichtigung des National Roaming von Vodafone erzielte 1&1 auf Anhieb die Auszeichnung „sehr gut“. Ein weiterer Beleg dafür, dass wir erfüllen, wofür wir als vierter Netzbetreiber angetreten sind: Mehr Innovation in der deutschen Mobilfunklandschaft und einen lebendigen Wettbewerb, von dem Verbraucher profitieren.
Neben Open-RAN investiert United Internet in weitere digitale Schlüsseltechnologien wie Cloud und AI. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in Ihren Anwendungen?
In unserem Geschäftsfeld Applications verfolgen wir eine konsequent auf Wachstum, Skalierung und digitale Souveränität ausgerichtete KI-Strategie. Wir bauen unser Portfolio an attraktiven KI-Lösungen für Unternehmen und Privatanwender kontinuierlich weiter aus. So haben wir mit IONOS Momentum im vergangenen Jahr erstmals ein europäisches KI-Ökosystem gestartet, das speziell auf die Anforderungen kleiner und mittelständischer Unternehmen zugeschnitten ist. KI-Assistenten übernehmen Routineaufgaben bei Telefonaten, Terminplanung und Kundenservice sowie das Erstellen von Texten und Designs. Die Plattform basiert auf der souveränen Cloud-Infrastruktur von IONOS. Das bedeutet: Daten werden entsprechend strenger europäischer Datenschutzstandards verarbeitet und nicht zum Training von KI-Modellen verwendet.
Fast jede zweite Person in Deutschland nutzt privat einen E-Mail-Account von GMX oder WEB.DE. Auch hier setzen wir immer stärker auf innovative KI-Anwendungen „Made in Germany“, die das digitale Leben erleichtern. So wird das E-Mail-Postfach zum smarten Assistenten, der das Schreiben, Übersetzen, Zusammenfassen und Sortieren übernimmt.
„United Internet investiert entschlossen in die digitale Infrastruktur Deutschlands und Europas – für mehr Innovation & Souveränität.“
RALPH DOMMERMUTH
Was erwarten Sie vom Geschäftsjahr 2026?
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet United Internet ein Umsatzwachstum auf ca. 6,25 Mrd. €. Unser EBITDA soll trotz hoher Ausgaben zur Entwicklung unserer Zukunftsthemen auf ca. 1,45 Mrd. € zulegen. Wir werden weiterhin kraftvoll investieren, vor allem in den Ausbau unseres Glasfaser- und Mobilfunknetzes. Der Cash-Capex soll entsprechend bei 600 – 650 Mio. € liegen.
Es ist Teil unserer Unternehmens-DNA, entschlossen neue Wege zu gehen. Auch in Zukunft werden wir in der United Internet Gruppe mit Innovationen vorangehen und die Chancen der Digitalisierung zum Wohle unserer Kunden und unseres Unternehmens nutzen.
